Die Kunst, Lebensmittel haltbar zu machen, begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Was als Überlebensstrategie begann, entwickelte sich zu einem Handwerk voller Tradition und Präzision. Bei der Haltbarmacherei auf dem Biohof Oberzinggen in Hellbühl wird diese Geschichte lebendig – als kleine Manufaktur, die mit handwerklichem Können und Bio-Qualität arbeitet. Keine Fabrik, sondern echte Handarbeit.
Antike Anfänge: Von Honig und Salz
Bereits im alten Ägypten experimentierten Menschen mit Konservierungsmethoden. Früchte wurden in Honig eingelegt, Fleisch geräuchert und gesalzen. Die Römer verfeinerten diese Techniken und entwickelten eingelegte Spezialitäten in Essig und Öl. Doch die eigentliche Revolution kam erst viel später.
Im 18. Jahrhundert unternahm der Franzose Denis Papin erste Experimente mit dem Einkochen in abgedichteten Kupfertöpfen – allerdings war das Verfahren kompliziert und für normale Haushalte nicht praktikabel.
Der Durchbruch: Nicolas Appert und die Geburt des Einkochens
Der entscheidende Moment kam 1809, als der französische Konditormeister und Koch Nicolas Appert sein revolutionäres Konservierungsverfahren vorstellte. Er legte Lebensmittel in Glasflaschen, verschloss sie mit Korkstopfen (befestigt mit Draht und versiegelt mit Wachs), und erhitzte sie anschließend in kochendem Wasser. Die französische Regierung war so begeistert, dass sie ihm 12.000 Goldfranken Preisgeld zahlte.
Nur ein Jahr später, 1810, meldete der Engländer Peter Durand das erste Patent für Blechdosen an – die Geburtsstunde der industriellen Konservenherstellung. Doch während große Fabriken entstanden, blieb das Einkochen im Haushalt lange ein aufwendiges Handwerk.
Pasteurisierung: Louis Pasteurs Verfeinerung
In den 1860er Jahren verbesserte der französische Wissenschaftler Louis Pasteur Apperts Methode durch die sogenannte Pasteurisierung: Lebensmittel wurden bei Temperaturen unter 100°C erhitzt, wodurch Keime abgetötet wurden, ohne dass Geschmack und Nährstoffe verloren gingen. Diese Entdeckung ermöglichte es, empfindliche Produkte wie Milch über weite Strecken zu transportieren und machte das Einkochen sicherer und schonender.
Einkochen auf Schweizer Bauernhöfen: Tradition im Haushalt
In der Schweiz war das Einkochen fester Bestandteil des bäuerlichen Lebens. Auf Höfen wie dem Biohof Oberzinggen kochten Generationen Beeren, Früchte und Kräuter ein, um die Ernte zu konservieren. Der Holzherd stand im Zentrum, alte Sterilisierhäfen wurden gehütet wie Schätze. Jede Familie hatte ihre eigenen Rezepte, die von Großmutter zu Enkelin weitergegeben wurden.
„Der Pfarrer hats gut gemacht, die Gläser hätten jedenfalls immer gehalten“ – so erzählte man sich im Dorf. Doch meist war es die Mama oder Großmutter, die mit Geduld und Fingerspitzengefühl die Früchte in Gläser füllte und den ganzen Winter über für haltbare Vorräte sorgte.

Der Biohof Oberzinggen: Vierte Generation und Bio-Pionier
Der Biohof Oberzinggen in Hellbühl liegt auf einer Sonnenterrasse auf 660 Metern über Meer, eingebettet in sanfte Hügellandschaft mit Blick auf Rigi und Pilatuskette. Die Familie Joss führt den Betrieb in vierter Generation – und zwar seit 1994 nach Bio-Suisse-Standards.
Auf 32 Hektaren bewirtschaften Thomas und Anna Joss gemeinsam mit drei Festangestellten und zwei bis drei Saisonangestellten einen vielfältigen Vollerwerbs-Talbetrieb: 38 Milchkühe, ein Hektar Gemüse (Blumenkohl, Brokkoli), eine halbe Hektare Erdbeeren, eine halbe Hektare Himbeeren – und stolze 6 Hektaren Haskap-Beeren, ein echtes Superfood.
Anna Joss spezialisierte sich ab 2013 auf den Beerenanbau und machte den Hof zu einem der führenden Bio-Beerenproduzenten der Zentralschweiz. Die Früchte gehen in den Biofachhandel und werden am Märt Luzern angeboten.
Die Haltbarmacherei: Vom Einzelunternehmen zur Hofmanufaktur
Die Haltbarmacherei startete 2010 in Zürich als kleine Manufaktur für Bio-Sirupe und Konfitüren. Im Jahr 2021 entwickelte sie sich vom Einzelunternehmen zur AG. Ein entscheidender Schritt folgte 2023: Der Umzug auf den Biohof Oberzinggen in Hellbühl, wo nun in einer eigenen Produktionsstätte Sirupe und Konfitüren entstehen.
Familie Joss hatte bereits zuvor in einem professionellen Verarbeitungsraum auf dem Hof einige ihrer Produkte in Handarbeit verarbeitet. Mit der Haltbarmacherei wurde daraus eine vollwertige Manufaktur – keine Fabrik, sondern ein Ort, an dem traditionelles Handwerk mit Bio-Qualität verbunden wird.
Das Erbe von Grossmutter Trudi Treichler
Die Rezepturen der Haltbarmacherei basieren auf dem Erbe von Grossmutter Trudi Treichler. Ihre Philosophie: „Mit der Hand die Kochtopfkelle schwingen“ – schonende Verarbeitung, natürliche Zutaten, Geduld statt Geschwindigkeit. Zitronensaft ersetzt chemische Säuerungsmittel, Bio-Rübenzucker aus der Schweiz statt raffinierter Industriezucker.
Diese Werte prägen die Haltbarmacherei bis heute: keine Farbstoffe, keine Geschmacksverstärker, keine Essenzen oder Zusatzstoffe. Nur die reine Natur, haltbar gemacht. Alle Produkte sind komplett vegan und tragen das Bio-Suisse-Label.
Handwerk statt Fabrik: Manufakturarbeit im 21. Jahrhundert
Die Haltbarmacherei ist bewusst keine Fabrik. Jede Charge wird von Hand gekocht, kontrolliert, in Flaschen und Gläser abgefüllt und versiegelt. Die Philosophie lautet: Qualität statt Masse, Nachvollziehbarkeit, Nachhaltigkeit und Transparenz.
Die Rohstoffe stammen direkt vom Hof oder von regionalen Bio-Bauernhöfen. Der persönliche Kontakt zu Partnern ist wichtig – „vom Feld direkt in die Flasche“, wie die Haltbarmacherei es formuliert.

Heute: Belieferung von Gastronomie, Handel und Privatkunden
Heute beliefert die Haltbarmacherei Gastronomie, Fachhandel und Privatkunden mit hochwertigen Bio-Sirupen und Konfitüren. Die Produktpalette reicht von Klassikern wie Himbeer-Sirup und Apfel-Zimt bis zu Spezialitäten wie Haskap-Beere und Kornelkirsche-Konfitüre.
Die Manufaktur bietet zudem Lohnverarbeitung für externe Kunden an – ein weiterer Beweis für das handwerkliche Können und die Flexibilität des Teams.
Die Zukunft: Tradition meets Innovation
Auf Höfen wie dem Biohof Oberzinggen, geführt in vierter Generation von Familie Joss, lebt die Tradition des Haltbarmachens fort. Die Haltbarmacherei zeigt, wie sich uralte Handwerkskunst mit modernen Bio-Standards verbinden lässt: vom Großmutters Rezeptbuch zur professionellen Manufaktur – ohne den Charakter zu verlieren.
Kontakt:
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E-Mail: info@haltbarmacherei.ch
Telefon: 079 937 80 40
